Von Aldi bis VW: Die dreistesten Greenwashing-Beispiele

Philipp Dyllong | 23.12.2022 | Lesezeit: 9 Minuten

Beispiele für Greenwashing gibt es leider unzählige. In diesem Artikel haben wir dir die Kategorien erläutert, die Unternehmen zur Verbrauchertäuschung anwenden. In der Praxis werden dafür eine Vielzahl von Taktiken und Strategien verwendet. Auf einige der dreistesten Taktiken und Greenwashing-Skandale wollen wir in diesem Beitrag genauer eingehen. Die 7 häufigsten Strategien von Greenwashing haben wir dir in unserem Artikel „Was ist Greenwashing“ zusammengetragen. Die hier genannten Beispiele haben wir nach einigen gängigen Greenwashing Methoden gruppiert. 

Greenwashing Beispiele: die dreistesten Greenwashing Beispiele im Überblick

Werbekampagnen

Werbekampagnen sind eines der einfachsten Mittel, mit dem Unternehmen Greenwashing betreiben können. So geschehen erst vor Kurzem bei der Deutsche Bank Tochter DWS.

Greenwashing bei Investmentunternehmen DWS

Die DWS bekennt sich als Investment-Unternehmen öffentlich zu den Pariser Klimazielen und zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. Gleichzeitig investiert das Unternehmen jedoch massiv in die Fossilbranche. Greenpeace zufolge belaufen sich die Investments auf 7,8 Milliarden Euro. Eine ebenfalls von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie bescheinigt dem Unternehmen mit der derzeitigen Investmentpolitik einen 2,6-Grad-Kurs. So viel zu den noblen Zielen, die man der Öffentlichkeit verkündete. Aktuell läuft außerdem ein Klageverfahren der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegen die DWS wegen unlauterem Wettbewerb, da sie fälschlicherweise mit nachhaltigen Geldanlagen wirbt. 

Extra Cent für Einwegtüten bei Aldi Süd

Ebenfalls eine sehr bekannte Greenwashing-Kampagne hat Aldi in der Vergangenheit gestartet. Um den Verbrauch von Plastik zu reduzieren, hat die Discounterkette beschlossen, dass Einwegtüten für Obst und Gemüse einen Cent extra kosten. Natürlich entfaltet eine solch geringe Zahlung keine Lenkungswirkung bei den Kunden. Vielmehr haben Kritiker berechnet, dass durch den Extra-Cent ein jährlicher Reingewinn von 500.000 € mehr für Aldi zu erwarten ist. Das Ganze ist umso kritischer zu betrachten, da Aldi einen Großteil seiner Waren bereits in Plastik aus fossilen Stoffen verpackt verkauft. 

Beachte: Plastik ist nicht gleich Plastik. Auch Folien, Beutel und Umverpackungen mit nachwachsenden Rohstoffen werden als Plastik oder Kunststoff bezeichnet. Die Bezeichnung bezieht sich dabei darauf, dass die Stoffe künstlich hergestellt werden und nicht exakt so in der Natur vorkommen. Biologisch abbaubare Kunststoffe mit nachwachsenden Rohstoffen hinterlassen aber einen deutlich geringeren Fußabdruck.

Statt mit dem Zusatzcent die Gewinne zu steigern, wäre ein Einsatz von biologisch abbaubaren Beuteln mit nachwachsenden Rohstoffen eine echte nachhaltige Alternative für Aldi Süd gewesen. Zumindest wenn tatsächlich die Nachhaltigkeit und nicht nur die nachhaltige Außenwirkung im Vordergrund stehen soll. 

Irrelevante oder nicht aussagekräftige Labels und Zertifizierungen

Unternehmen nutzen gern Labels auf ihren Produkten, um sich in einem grüneren Licht darzustellen. Ein oft gesehenes und relativ bekanntes Label ist dabei das MSC-Label. 

MSC Label von Unilever und dem WWF

Dieses Label wurde von der Umweltorganisation WWF in Zusammenarbeit mit dem Konzern Unilever ins Leben gerufen und soll einen nachhaltigeren Fischfang vorantreiben. Das Problem ist jedoch, dass laut MSC-Standards die Fangmethode mit Grundschleppnetzen weiterhin erlaubt ist. Bei dieser Methode werden die Netze über den Meeresboden gezogen und beschädigen diesen dabei massiv. Selbst der WWF grenzt sich mittlerweile von dem Label ab, obwohl er an dessen Gründung beteiligt war.


Das MSC-Label ist bei weitem nicht das einzige Beispiel für nicht vertrauenswürdige Zertifikate. Auch andere Zertifikate wie RSPO, BCI oder FSC stehen nicht für echte Nachhaltigkeit.

Leuchtturmprojekte

Leuchtturmprojekte bezeichnen Projekte, die von Unternehmen ins Leben gerufen werden, um eine starke Vorbild- und Vorreiterfunktion zu vermitteln.

Grüne Kreuzfahrten für ein gutes Gewissen


Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist der Kreuzfahrtanbieter AIDA. Mittlerweile wissen viele Menschen, dass Kreuzfahrten der Inbegriff von umweltschädlichen Urlaub sind. Zur Auffrischung: Kreuzfahrtschiffe werden in der Regel mit Schweröl betrieben und verursachen täglich einen CO²-Ausstoß von 84.000 Autos und den Feinstaub-Ausstoß von 1.000.000 Autos. Städte, in deren Häfen viele Kreuzfahrtschiffe anlegen, leiden massiv unter dieser Schadstoffbelastung. Dazu kommen Praktiken wie Müllentsorgung auf hoher See.


AIDA nutzt in seiner Werbung die Bezeichnung Green Cruising, um diesem negativen Image entgegenzuwirken. Allerdings nutzt momentan nur 1 von 13 Schiffen des Anbieters kein Schweröl. Bis 2023 sollen noch zwei weitere hinzukommen. Stattdessen werden diese Schiffe mit LNG, also Flüssigerdgas, betrieben. Das ist jedoch keinesfalls so grün, wie „Green Cruising“ suggeriert. Die Förderungs-Methodik für LNG ist bestenfalls fragwürdig, da dafür Fracking betrieben wird. Fracking wiederum birgt viele Umweltrisiken, wie zum Beispiel Verunreinigung des Grundwassers, erhöhte CO²-Emissionen und Erdbeben. Es wird also nur ein extrem schädlicher Kraftstoff gegen einen etwas weniger schädlichen Kraftstoff ausgetauscht.

Hope Stories

Sogenannte Hope Stories sind hoffnungserzeugende Geschichten, die die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen sollen. Sie spielen mit den Emotionen der Menschen und sollen das Unternehmen als Heilsbringer in Bezug auf eine Umweltproblematik darstellen.


Ist IKEA „waldpositiv“? 

Ein Musterbeispiel hierfür ist das Bekenntnis des Möbelherstellers IKEA, „waldpositiv“ zu sein. Das Unternehmen hat sich den Klimaschutz und den Erhalt der Wälder auf die Fahnen geschrieben. Dazu verwendet Ikea recyceltes und FSC-zertifiziertes Holz und fördert eine verantwortungsbewusste Forstwirtschaft.


Recherchen verschiedener NGO‘s wie Earthside und Agent Green haben jedoch ergeben, dass IKEA illegal geschlagenes Holz bezieht und dass seine Zulieferer auch während des Lockdowns Rodungen durchgeführt haben. So gibt es Beweise für illegale Rodungen in der Ukraine, Rumänien und Sibirien. So viel zum Thema Heilsbringer.

Lügen

VW Diesel Skandal

An den Diesel-Skandal von VW erinnert sich wohl jeder. Der Konzern hat vor allem in den USA seine Dieselfahrzeuge als schadstoffarm und sauber beworben und dadurch seine Verkaufszahlen nachhaltig gesteigert. Zumindest das war also nachhaltig. 


Untersuchungen ergaben jedoch, dass VW seine Fahrzeuge mit manipulativer Software ausgerüstet hatte, um die Emissionswerte der Abgasvorschriften einzuhalten. Der tatsächliche Ausstoß, wenn die Fahrzeuge nicht auf der Teststrecke waren, war jedoch 40-mal höher als in den USA zulässig.


Dieser Fall ist deswegen besonders, weil es einer der wenigen Fälle ist, in denen ein Unternehmen öffentlich Greenwashing zugeben musste. Auch erste BGH Urteile zum Schadensersatz für Verbraucher zum Dieselskandal gibt es bereits.  

Inszenierung von Umweltorganisationen 

Zweifelhafte Label 

Gern machen sich Unternehmen eine Kooperation mit einer ernstzunehmenden Umweltorganisation zunutze, um ihre Vertrauenswürdigkeit zu steigern. Wie du bereits beim MSC-Zertifikat gesehen hast, versucht zum Beispiel der WWF in seinen Bemühungen stets auch Industrie und Handel mit einzubeziehen. 


Das ist grundsätzlich ein sinnvoller Ansatz, denn ohne Verantwortliche zu involvieren, kann sich nichts nachhaltig ändern.


Nichtsdestotrotz gehen Umweltverbände hier oftmals zu sehr auf die Industrie ein. Indem sie zu starke Zugeständnisse machen, lassen sie sich dabei instrumentalisieren. Heraus kommen dabei unter anderem Zertifikate, die aus ökologischer oder nachhaltiger Sicht nichts erreichen. Neben dem MSC-Zertifikat betrifft das auch das RSPO-Zertifikat für Palmöl.

Weitere Greenwashing Taktiken

Natürlich gibt es neben den erläuterten Strategien noch jede Menge weiterer Taktiken, die Unternehmen im Bereich Greenwashing anwenden. Dazu gehören unter anderem Nachhaltigkeitsberichte, die Nutzung von „grünen“ Influencern oder Schönrechnerei. 


Generell kannst du alle Greenwashing-Bemühungen in eine von 7 Kategorien einordnen, mit deren Hilfe du Greenwashing leichter erkennen kannst.

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Porträt von Janine Friebel. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin von BIOvative

Philipp Dyllong

Philipp schreibt im Magazin von BIOvative über Themen, die ihm selbst so sehr am Herzen liegen: Greenwashing, Klimaschutz, eine lebenswerte Zukunft.